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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Stabilisierung wandernder / klappernder Laufräder


Mopirelli
21.04.2008, 09:51
Hallo Leute,

relativ oft wird bemängelt, daß Laufräder wandern und dann lautstark vor die Wände des Hamstergeheges schlagen, bei größeren und damit auch schwereren Tieren unruhig laufen und schlingern.

Ich habe selbst erlebt, daß bei Tieren, die nur um die 160g wogen, bereits die Gläser im Schrank darunter wackelten und gerade am letzten Freitag hat man mir berichtet, daß sich selbst die Hausnachbarn unterhalb eines solchen Rades beschwert hätten - das muß nicht sein, oder?

Gerade bei Kunststoffrädern wie den Rädern von Transoniq (in Deutschland unter den Namen RoboWheel, WodentWheel und WobustWheel erhältlich) gibt es folgende Probleme:

der Schwerpunkt liegt zu hoch für das rel. geringe Gegengewicht des Standfußes, das begünstigt Schwingungen und Kippen des Rades
der Fuß sinkt in die Streu ein, was das Rad in der Streu schleifen, im Extremfall sogar blockieren läßt - ich habe früher desöfteren gesehen, daß das Rad dann beklettert wird. Unangenehm, wenn es zum Ausbruch verhilft oder das Tier an einer Stelle hart (z.B. auf eine Rebwurzel) dort fallen kann, wo der Halter es nicht vorgesehen hat
bei den Transoniq-Rädern kommt zusätzlich hinzu, daß der Standfuß an der Stelle, wo er senkrecht nach oben geht (siehe roter Kreis im Foto), etwas instabil ist, was besonders bei schweren Tieren dazu führt, daß die ganze Konstruktion schwingt. Sie schlägt dann an der markierten Stelle u.U. auf einen harten Untergrund (Kunststoff, Holz, Glas), was leider sehr gut zu hören ist.
http://picdump.mesocricetus.de/userpics/WW_Mod_beschnitten~0.jpg

Die in der Folge beschriebenen Änderungen werden diese Mängel beseitigen und dafür sorgen, daß Euer pelziger Freund viel ruhiger laufen kann und "ordentlich Drehzahl" macht - wer sich also kein protziges Auto leisten kann oder will, kommt hier voll auf seine Kosten ;-)

Was man braucht:

Material:
Ein Brett aus Buche oder Birke, mind. 19mm dick
Lochband aus Metall (gibt's als Rollenware im Baumarkt)
Selbstschneidende Holzschrauben (ich empfehle Spax 4,5x16)
Schmirgelpapier

Warum Buche oder Birke? Ganz einfach: es handelt sich um heimische, ölfreie Hölzer, die einfach und rel. preisgünstig zu beschaffen sind. Die Anschaffung von Hölzern aus Urwäldern verbietet sich konsequenterweise schon allein aus ökologischen Gründen. Andere Hölzer sind leichter (Buche und Birke haben ein spezifisches Gewicht von etwa 700kg / Kubikmeter) und bieten somit bei selber Materialstärke nicht dasselbe Vermögen, Schwingungen zu dämpfen. Holzwerkstoffe wie z.B. Spanplatte können das zwar, aber ich finde es bedenklich, wenn die Kleinen dann die Laufradfüße benagen - und das kommt nicht selten vor ;-)

Werkzeug:
Akkuschrauber
Ein PZ2-Bit für den Akkuschrauber
Bohrer, der 2/3 des Schraubendurchmessers hat (bei Verwendung meiner Schraubenempfehlung also 3mm)
Eine Blechschere, alternativ eine Metallsäge oder Hammer und Flachmeißel
Eine Holzsäge (Fuchsschwanz, Stichsäge, Kreissäge, Laubsäge)

Vorgehen:
Zunächst sägt man aus der Holzplatte die gewünschte Fläche aus, der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Man sollte jedoch beachten, daß man an den Stellen, wo man die Lochbänder setzt, etwa 3cm Überstand braucht, um die Schrauben ohne Absplittern des Holzes sicher darin zu verankern.

Ich setze immer mind. 3 Lochbänder:
eines an der Stelle auf dem Foto (hier ist wichtig, es ganz nahe an der Biegung nach oben zu setzen)
an jeder Biegung des Fußes ein weiteres
das letzte kurz vor Ende des Fußes
Man hält das Lochband an den Fuß, paßt ungefähr ab, welche Länge man braucht und schneidet das Band dann mit Hilfe der Blechschere, man sägt es oder trennt es mit Hammer und Flachmeißel auf einer festen Unterlage.

Die Schnittkante ist i.d.R. nicht ganz glatt und sollte mit dem Schmirgelpapier bearbeitet werden, bis eine Verletzung des Tieres ausgeschlossen ist.

Dann legt man das Band an und bohrt die Löcher vor. Die Bohrlöcher sollten möglichst an der dem Metallfuß zugewandten Seite des Loches gesetzt werden, um etwas Spiel für den nächsten Schritt zu haben.

Dann können die Schrauben langsam und mit Gefühl (Wichtig, damit das Holz nicht splittert!) eingedreht werden. Das Band paßt sich, wenn man die Bohrlöcher gut gesetzt hat, von selbst dem Metallfuß an und sitzt bombenfest, wenn es nicht zu lang gewählt wurde - aufwendige Biegearbeiten fallen also nicht an.

So macht man es für jedes Band, bis alles bombenfest sitzt. Am besten, Ihr prüft, ob die Schraubenköpfe scharfe Kanten haben (kann beim Schrauben passieren) und schmirgelt diese dann weg, das war's auch schon.

Für die, die es richtig schön machen wollen:

Man kann eine mind. 3cm hohe Leiste unter den Fuß kleben (normalen Ponal Holzleim verwenden, der ist ungiftig) oder schrauben, um zu verhindern, daß der Fuß auf einer ebenen Fläche plan aufliegen kann, also evtl. das Tier beim Unterwühlen unter sich begräbt. Das ist jedoch m.E. nur eine theoretische Gefahr - einige meiner Tiere den Fuß als Dach für ihr Nest sehr geschätzt und wenn an der einen Stelle der Fuß unterbuddelt wird, liegt er bereits woanders auf der Einstreu auf und wird gestützt.

Wen die Lochbänder stören oder wer sie trotz Schmirgeln für eine Gefahr für Tierpfoten hält, der kann sie versenken, also dort, wo sie festgeschraubt werden, eine Versenkung in's Holz einarbeiten und dann entsprechend kürzere Schrauben verwenden. Wer ganz penibel ist, fertigt sich aus Ponal und Sägemehl eine Paste an, mit der sich die Vertiefung gut ausfüllen läßt - so machen's auch die meisten Schreiner, wenn sie eine Art "Füllstoff" brauchen.

Frohes Radeln!

Mopi